Über eine gute Gesinnung und Nächstenliebe
Ihr, meine Kinder, liebt den Allerhöchsten, den Gott des Himmels! Haltet seine Gebote und ahmt den guten, frommen Joseph nach! Aufs Gute nur soll euer Sinn gerichtet sein, wie ihr von mir auch solches wisst! Wer eine richtige Gesinnung hat, sieht alles richtig. Ja, fürchtet nur den Allerhöchsten und liebt den Nächsten! Und suchen auch des Beliar Geister mit jedem Übel euch zu drücken, so dürfen sie nicht über euch die Oberhand behalten, so wenig wie bei meinem Bruder Joseph. Wieviele Menschen wollten ihn erschlagen! Doch Gott beschirmte ihn. Denn wer Gott fürchtet und den Nächsten liebt, kann nicht vom Geiste Beliars erschlagen werden; er wird ja von der Gottesfurcht beschirmt. Nicht können ihm die Menschen schaden und nicht der wilden Tiere Listen; ihm wird vom Allerhöchsten geholfen der Liebe wegen, die er zu dem Nächsten hat. So bat auch Joseph unsern Vater Jakob, er möge für unsere Brüder beten, der Allerhöchste möge es ihnen nicht als Sünde anrechnen, was sie ihm Böses angetan.
Seht, Kinder, ihr, des guten Mannes Ende? Ahmt seine Milde nach in herzlicher Gesinnung! Dann tragt auch ihr der Glorie Kränze! Der gute Mensch hat ja kein finsteres Auge; er hat mit allen Mitgefühl, auch wenn sie Sünder sind. Selbst wenn sie ihm zuleide Böses planen, besiegt er Böses dadurch, dass er Gutes tut. Von Gott wird er beschirmt. Er liebt ja die Gerechten wie sich selbst. Wird einer auch gelobt, ist er nicht eifersüchtig; ist einer reich, ist er nicht neidig. Ist einer tapfer, lobt er ihn; den Reinen preist er; mit Armen fühlt er; mit Kranken hat er Mitleid und Lob verkündet er. Dem Gottesfürchtigen gewährt er Schutz, gleich einem Schild, und dem, der Gott liebt, gibt er Unterstützung. Und wer den Höchsten aufgegeben, den warnt er und führt ihn zurück und den, der eines guten Geistes Gnade hat, den liebt er, wie sich selbst. Seid gut gesinnt, ihr meine Kinder! Dann halten auch die schlechten Menschen mit euch Frieden. Die Schwelger scheuen euch und kehren um zum Guten; Habgierige lassen von der Leidenschaft und geben den Gewinn zurück den Ausgesogenen. Und tut ihr Gutes, dann fliehen von euch unreine Geister und wilde Tiere scheuen euch. Und wo der guten Werke Licht in der Gesinnung ist, da weicht die Finsternis. Schmäht jemand einen frommen Mann, so tut er selber Buße; der Heilige erbarmt sich seines Lästerers und schweigt. Verführt gar jemand eine fromme Seele, so betet der gerechte Mann, verdemütigt sich auf kurze Zeit, und bald darauf erscheint er glänzender, als je mein Bruder Joseph war. Des guten Mannes Sinn verfällt nicht Beliars Verführungsgeist. Des Friedens Engel leitet seine Seele. Er blickt nicht leidenschaftlich aufs Vergängliche; noch sammelt er sich Reichtum aus Vergnügungssucht. Und nicht ergötzt er sich an Lust. Er macht dem Nächsten keinen Kummer; er sättigt sich nicht an den Leckerbissen, behütet seine Augen. Der Allerhöchste ist ja sein Teil. Der gute Sinn nimmt von den Menschen keine Ehre an, noch Unehre; er kennt nicht List, noch Lüge, nicht Streit, noch Schimpf. Es wohnt der Allerhöchste in ihm, der seine Seele ihm erleuchtet, und er macht allen Menschen stetig Freude. Der rechte Sinn hat nie zwei Zungen, des Segens und des Fluches Zunge, der Schande und der Ehre, der Trauer und der Freude, der Ruhe und Verwirrung, der Heuchelei und Wahrheit, der Armut und des Reichtums. Er hat allein ein reines, lauteres Gemüt für alle. Er hat kein doppeltes Gesicht, noch doppeltes Gehör. Bei allem, was er tut, spricht oder sieht, weiß er, es schaut der Allerhöchste auf seine Seele. Er reinigt seinen Sinn, dass er von Gott und Menschen nicht verurteilt werde. Zwiespältig sind des Beliar Werke; die Einfalt mangelt ihnen. Deswegen, meine Kinder, flieht die Bosheit Beliars! Ein Schwert verleiht sie denen, die ihr folgen. Von sieben Übeln ist das Schwert die Mutter: Zuerst empfängt der Sinn durch Beliar. Das Erste ist das Blutvergießen, das Zweite ist Verderben, das Dritte Trübsal, Gefangenschaft das Vierte, das Fünfte Teuerung das Sechste Wirrsal, das Siebte ist Zerstörung. Deshalb ward Kain von Gott den sieben Strafen überliefert; alle hundert Jahr schlug ihn der Allerhöchste mit einer Plage. Zweihundert Jahre alt, fing er zu leiden an, und im neunhundertsten Jahr ward er verjagt. Um Abels, seines Bruders, willen ward er mit allen Übeln heimgesucht, in siebenmal siebzig Zeiten aber Lamech. Denn die dem Kain in Neid und Bruderhasse gleichen, die werden gleicher Art gestraft. Nun, meine Kinder, flieht die Bosheit, den Neid und Bruderhaß und hängt der Güte und der Liebe an! Wer einen reinen Sinn in Liebe hat, beschaut kein Weib zur Buhlerei; im Herzen trägt er keinen Flecken; auf ihm ruht Gottes Geist. Denn wie die Sonne ohne Flecken bleibt, wenn sie auf Schmutz und Dünger scheint, sie trocknet vielmehr beide, vertreibt dazu den misslichen Geruch, so auch der reine Sinn. Ist er von den Befleckungen der Erde rings umgeben, so reinigt er noch diese und wird nicht selbst befleckt.
Als Joseph in Ägypten war, da sehnt ich mich nach seinem Bild. Durch die Gebete meines Vaters Jakob sah ich ihn, am Tage, wo ich wach gewesen, so, wie er aussah. Nun wisset, Kinder, dass ich sterbe! So handelt an dem Nächsten nur wahrhaftig! Bewahret das Gesetz des Allerhöchsten und seine Vorschriften! Dies hinterlasse ich euch statt jedes Erbes. Gebt dies zum ewigen Besitze euren Kindern! So taten Abraham, Isaak, Jakob. All dies vererbten sie auf uns mit diesen Worten: Bewahrt die göttlichen Gebote,
Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.
Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).
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