Über die Keuschheit
Seht, meine Kinder, wie Großes die Geduld bewirkt, sowie Gebet mit Fasten! Bewahret ihr die Keuschheit und die Reinheit in Ausdauer, in Fasten und Gebet und Herzensdemut, dann wohnt der Allerhöchste selbst unter euch; er liebt die Keuschheit. Wo nun der Höchste wohnt, mag auch ein Mann in Neid, in Sklaverei geraten, verleumdet werden, der Allerhöchste, der in ihm wohnt, um seiner Keuschheit willen, errettet ihn vom Übel. Der Mensch wird ja auf jede Art erhöht, sei es durch ein Werk, sei’s durch ein Wort, sei’s in Gedanken. Die Brüder wissen ja, wie mich mein Vater liebte. Ich überhob mich nicht in meinem Herzen. Ich war zwar noch ein Kind und hatte schon die Gottesfurcht im Herzen. Ich wusste: Alles ist vergänglich. Ich selbst erhob mich nie in böser Absicht; ich ehrte meine Brüder. Als ich verkauft ward, bezwang ich mich aus Rücksicht nur auf sie und sagte nicht den Ismaeliten, ich sei ein Sohn des Jakob, eines großen mächtigen Mannes. Habt also Gottesfurcht bei euren Werken! Ehrt eure Brüder! Denn jeder, der des Allerhöchsten Gesetz befolgt, wird auch von ihm geliebt.
Seht, Kinder, wieviel Schweres ich erduldet! Ich wollte meine Brüder nicht beschämen. Nun liebt einander! Und überseht in Langmut euch die Fehler! Gott hat an brüderlicher Eintracht Freude, an einem liebevollen Herzen, Als meine Brüder nach Ägypten wieder kamen, erfuhren sie, dass ich ihr Geld an sie zurückerstattet. Ich machte keine Vorwürfe; ich hieß sie guten Mutes sein und liebte sie nach Jakobs Tod noch mehr und alle seine Aufträge erfüllte ich genau. Ich duldete nicht im geringsten ihre Kränkung und alle meine Habe gab ich ihnen. Ihre Söhne waren meine Söhne, meine Söhne gleichsam ihre Sklaven. Ihr Leben mein Leben, ihr Schmerz mein Schmerz, ihre Schwäche meine Krankheit. Mein Land ihr Land, mein Rat ihr Rat. Ich überhob mich nicht im Stolz auf meine Stellung. Der Letzten einer war ich ja bei ihnen. So wandelt, meine Kinder, in des Allerhöchsten Geboten! Dann wird er euch erhöhen und euch mit Gütern ewig segnen. Will einer von euch Böses tun, dann betet doch für ihn! Und so befreit ihr ihn von allem Bösen durch den Allerhöchsten. Ihr sehet ja: Durch meine Demut und mein Ausharren bekam ich selbst die Tochter eines Priesters aus Heliopolis zum Weib. Und hundert Goldtalente wurden mir samt ihr gegeben; der Allerhöchste ließ sie mir dienen. Er gab mir blumenzarte Schönheit, mehr als den Jünglingen in Israel. In Schönheit und in Kraft erhielt er mich bis in das hohe Alter; in allen Dingen war ich Jakob ähnlich.
Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.
Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).
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