Gottesfurcht

Ist der Angang der Erkenntnis


Naftali
- letzte Mahnungen - 

Ermahnungen zur Ordnung

Ich war gleich einem Hirsche leichtfüßig und so bestimmte mich mein Vater Jakob zu jeder Sendung, jedem Botengang; er gab mir auch wie einem Hirsch den Segen. Denn wie der Töpfer vom Gefäße weiß, wieviel es fasst, und so viel Ton dazu verwendet, so macht der Allerhöchste nach Ähnlichkeit des Geistes auch den Körper und gießt den Geist nach Fassungskraft des Leibes ein. Und eins entspricht dem andern bis auf ein Drittel eines Haars. Nach Maß und Regel und Gewicht ist alle Kreatur gemacht. Und wie der Töpfer weiß, wozu ein jedes taugt, so weiß der Allerhöchste vom Leib, wie weit er reicht im Guten und wann im Bösen er beginnt. Es gibt ja keine Lust und keine Absicht, die nicht dem Allerhöchsten bekannt; nach seinem Bilde schuf er jeden Menschen. Wie eines Mannes Kraft, so auch sein Werk; wie sein Verstand, so seine Tat, wie seine Absicht, also seine Handlung und wie sein Herze, so sein Mund, wie seine Augen, so sein Schlaf, wie seine Seele, so sein Wort, entweder im Gesetz des Allerhöchsten oder in den Werken Beliars. Wie zwischen Licht und Finsternis geschieden ist, wie zwischen Sehen und Hören, so ist geschieden zwischen Mann und Mann und zwischen Weib und Weib. Man kann nicht sagen, es sehe eins dem andern gleich. Es machte Gott in seiner Ordnung alles gut, im Kopfe die fünf Sinne. Den Hals gab er dem Kopf, zum Schmuck die Haare, ein Herz zum Denken und einen Bauch zur Ausscheidung und einen Magen zum Verdauen und eine Luftröhre fürs Atmen und eine Leber für den Zorn und eine Galle für Erbitterung, zum Lachen eine Milz und Nieren für die List und Lenden für die Stärke und Lungen für das Atemschöpfen und eine Hüfte für die Kraft und anderes. Nun, meine Kinder! Tut jegliches in guter Absicht und in Gottesfurcht und tut nichts Ungeordnetes aus Spott oder zur Unzeit! Denn sagst du zu dem Auge, es soll hören, so kann es nicht; so könnt ihr auch in Dunkelheit des Lichtes Werke nicht vollbringen. Bestrebt euch nicht, durch Habsucht eure Werke zu verschlechtern, und nicht durch eitle Worte eure Seelen zu betrügen! Schweigt ihr in Herzens Reinigkeit, dann werdet ihr’s verstehen, den Willen Gottes festzuhalten, des Teufels Willen aber zu verwerfen. Die Sonne, Mond und Sterne ändern ihre Ordnung nicht; so sollt auch ihr das göttliche Gesetz nicht ändern durch Unordnung in euren Werken. Die Heiden verließen ja, verführt, den Allerhöchsten und änderten so ihre Ordnung, gehorchten Stein und Holz, den Geistern der Verführung folgend. Ihr aber, meine Kinder, tut nicht so! Denn ihr erkennet aus dem Firmament, der Erde, dem Meer und allen Werken, den Allerhöchsten, der alles schuf. Sonst gleicht ihr Sodom in der Verkehrung der Natur. Geradeso verkehrten auch die Wächter einst die Ordnung der Natur; deshalb verflucht der Allerhöchste sie bei der Sintflut, und machte ihretwegen die Erde von Bewohnern und von Früchten leer. Ich sag dies, meine Kinder, weil ich in Henochs Buche las, ihr würdet auch vom Allerhöchsten abfallen, nach aller Heidenbosheit wandeln, nach jeder Sodomssünde tun. Der Allerhöchste bringt über euch Gefangenschaft; dort müsst ihr euren Feinden dienen und werdet zugedeckt mit jeder Drangsal und mit Not, bis euch der Allerhöchste vernichtet hat. Und seid ihr wenig und gering geworden, alsdann bekehrt ihr euch und kennet wieder euren Gott den Allerhöchsten; er bringt euch abermals in euer Land nach seiner großen Milde. Und kommen sie in ihrer Väter Land zurück, alsdann vergessen sie den Allerhöchsten ein zweites Mal und handeln gottlos. Und dann zerstreut der Allerhöchste sie auf der ganzen Erde, bis dass des Allerhöchsten Erbarmen kommt, ein Mensch, der da Gerechtigkeit vollzieht und gegen alle, fern und nah, barmherzig ist. 

Letzte Ermahnungen zur Ordnung 

Ich zeigte, meine Kinder, euch die letzten Zeiten; wie alles dies in Israel geschieht. Und nun gebietet euren Kindern, mit Levi und mit Juda eins zu sein. Durch Juda geht ja Heil für Israel auf und Jakob wird in ihm gesegnet. Durch seinen Stamm erscheint Gott auf der Erde [er wohnt bei Menschen], um Israels Geschlecht zu retten. Er führt Gerechte aus den Heiden her. Tut, ihr, was gut ist, meine Kinder, dann segnen euch die Menschen und die Engel, und bei den Heiden wird durch euch dann Gott verherrlicht. Der Teufel flieht vor euch; die wilden Tiere haben vor euch Angst. Euch aber liebt der Allerhöchste. Die Engel hängen sich an euch. Wer gut ein Kind erzieht, gewinnt ein gutes Angedenken. So gibt’s auch bei dem guten Werk bei Gott ein gutes Angedenken. Die Engel und die jungen Menschen aber fluchen dem, der das nicht tut, was gut. Durch ihn wird bei den Heiden Gott Geschmäht und ihn bewohnt der Teufel wie sein eigenes Gefäß und jedes wilde Tier bemeistert ihn; ihn haßt der Allerhöchste. Auch des Gesetzes Vorschriften sind zwiefältig und werden nur erfüllt durch Klugheit. So gibt es eine Zeit für ehelichen Umgang und eine Zeit, sich zu enthalten, um zu beten. So sind es zwei Gebote, und werden sie nach Ordnung nicht gehalten, dann bringen sie dem Menschen Sünde. So ist’s auch bei den übrigen Geboten. So werdet weise und verständig denn bei Gott! Ihr kennt die Ordnung seiner Vorschriften und die Gesetze, jede Handlung; dann wird der Allerhöchste euch lieben. 

2.NAFTALI 

Einleitende Ermahnungen 

Dies ist der letzte Wille Naphtalis, des Jakobsohnes. Der letzte Wille Naphtalis, des Jakobsohnes, den diesem Rahels Magd Bilha geschenkt, „Kampf um Gott“. Als Naphtali ein Greis geworden und wohlbehalten in ein schönes Alter trat und längst gebückt einhergehen musste, da hob er an, den Söhnen Weisungen zu geben. Er sprach zu ihnen: Kommt, liebe Söhne, näher! Empfanget eures Vaters Weisung! Da sprachen sie zu ihm: Wir sind bereit, zu hören, und wollen alles tun, was du uns heißest. Da sagte er zu ihnen: Ich gebe euch keine Weisung wegen meines Silbers noch meines Goldes noch der andern Habe wegen, die ich euch unter dieser Sonne hinterlasse. Und ich gebiet euch auch nichts Schweres, das ihr nicht machen könntet. Ich rede vielmehr zu euch von etwas Leichtem, das ihr zu tun vermöget. Darauf erwiderten ein zweites Mal ihm seine Söhne: Sprich, lieber Vater! Wir sind bereit, zu hören. Er sprach zu ihnen: Ich weise euch nichts andres an, als nur den Allerhöchsten zu fürchten. Ihm dienet! Ihm hängt an! Da sprachen sie zu ihm: Wiefern bedarf Er unseres Dienstes? Er sprach zu ihnen: Er selbst braucht kein Geschöpf; doch die Geschöpfe in seiner Welt bedürfen seiner. Er schuf jedoch nicht seine Welt für nichts. Ihn sollen seine Kreaturen fürchten, und keiner soll dem Nächsten tun, was er nicht will, dass man’s ihm tue! Da sprachen sie zu ihm: Ach, lieber Vater! Hast du fürwahr bemerkt, dass wir von deinen oder unsrer Ahnen Wegen zur Rechten oder Linken abgewichen wären? Er sprach zu ihnen: Der Allerhöchste und ich sind Zeugen, dass es so ist, wie ihr da sagt. Ich fürchte aber für die Zukunft, ihr könntet abirren, der fremden Völker Götzen folgen und nach der Heidenvölker Satzungen wandeln und euch den Josephsöhnen beigesellen, anstatt den Söhnen Levis und den Judas. Da sagten sie zu ihm: Was willst du nur damit, dass du uns solches anbefiehlst? Er sprach zu ihnen: Ich weiß, dass Josephs Söhne vom Allerhöchsten, dem Gotte ihrer Väter, abfallen, und dann verleiten sie die Söhne Israels zum Sündigen. So sind sie schuld, dass diese aus dem schönen Land in fremdes ziehen müssen. Wir mussten auch um seinetwillen auswandern, und in Ägypten Sklavendienste tun. 

Letzte Ermahnungen und Besinnung auf Gott  

Dazu will ich euch künden: Im schönsten Teil der Landesmitte fällt ein Los mir zu; da könnt ihr essen und euch sättigen mit seinen Wonnegaben. Ich aber warne euch, in eurem Glücke nicht nach hinten auszuschlagen, nicht widerspenstig je zu werden, des Allerhöchsten Befehlen nicht zu widerstreben, der euch mit seines Landes Gütern sättigt. Vergesset nicht des Allerhöchsten, eures Gottes, des Gottes eurer Väter, den unser Vater Abraham erwählt, als die Geschlechter sich in Pelegs Tagen trennten. Denn damals stieg der Allerhöchste aus seinem höchsten Himmel und brachte siebzig dienende Engel mit, an ihrer Spitze Michael. Er wies sie an, sie sollen siebzig Sprachen lehren, und zwar den siebzig Geschlechtern, die Noes Lenden sind entstammt. Die Engel stiegen auch sofort herab und taten, wie ihr Schöpfer hieß. Die heilige Sprache aber, die hebräische Sprache, verblieb allein im Hause Sems und Ebers und in dem Hause unsers Vaters Abraham, der sie zu Ahnen hatte. An jenem Tage überbrachte Michael vom Heiligen eine Botschaft und sprach zu jedem dieser siebzig Völker einzeln: „Ihr kennt den Abfall, den ihr unternommen, und die Verräterei am Allerhöchsten des Himmels und der Erde. Nun! Wählet heute! Wem wollt ihr dienen? Wer soll in Himmelshöhen euer Fürsprech sein?“ Da sprach der frevelhafte Nimrod: Kein Größerer ist für mich da, als mein und meines Volkes Lehrer, der uns in einer Stunde die kuschitische Sprache lehrte. So sprach auch Put, Misraim, Tubal, Javan, Mesek und Tiras und jedes Volk erwählt sich seinen Engel; doch nicht ein einziges erwähnt des Heiligen Namen. Sobald jedoch zu unserm Vater Abraham Michael sprach: Wen willst du, Abram, wählen? Wem willst du dienen? Darauf sprach Abraham: Ich kür und wähle keinen anderen als den, der sprach und alsbald ward die Welt, nur den, der mich in meiner Mutter Leib gebildet, mich, einen Leib inmitten eines andern Leibes, nur den, der Geist und Seele in mich gelegt. Ihn wähle ich. Ihm will ich anhangen, ich und die Meinigen in alle Ewigkeit. So schied der Höchste die Nationen und teilte jedem Volke seinen Anteil zu. Und seitdem waren alle Völker auf der Erde von dem Allerhöchsten geschieden. Nur Abrahams Haus verblieb bei seinem Schöpfer und diente ihm und nach ihm Isaak und Jakob. Deshalb beschwör ich euch, ihr meine Söhne. Irrt doch nicht ab! Dient keinem andern Gott als dem, den eure Väter sich erwählt! Ihr müsst ja wissen: Nicht gibt es einen seinesgleichen; kein einziger vermag zu tun wie Er, die Werke in dem Himmel und auf Erden. Kein einziger kann solche Wunder wirken, wie die Erweise seiner Stärke. Ihr könnet in des Menschen Schöpfung schon einen Bruchteil seiner Allmacht sehen. Wie viele große Wunder sind in ihm vereint! Er schuf ihn von dem Haupt bis zu den Füßen. Mit seinen Ohren hört er; mit seinen Augen sieht er; mit seinem Hirne denkt er; mit seiner Nase riecht er; mit seiner Luftröhre erzeugt er einen Ton; mit seinem Schlunde nimmt er Speis und Trank zu sich; mit seiner Zunge redet er; mit seinem Mund belehrt er; mit seinen Händen tut er seine Arbeit; mit dem Verstande denkt er; er lacht mit seiner Milz; er ärgert sich mit seiner Leber; verdaut mit seinem Magen; mit seinen Füßen geht er. Die Lunge ist für das Atmen da; von seinen Nieren lässt er sich beraten. Und keines seiner Glieder ändert seine Wirkung; ein jedes bleibt im eigenen Bereich. Darum ziemt es sich für den Menschen, all dies zu beherzigen, wer ihn geschaffen, wer ihn im Leib des Weibes aus einem übelriechenden Tropfen bildete, wer ihn ans Licht der Welt gebracht, wer ihm das Augenlicht, der Füße Gang verliehen, und wer ihn aufrecht stehen ließ und fest an seinen Ort hinstellte, und wer ihm gute Taten vorbereitete am Sitz der Einsicht, wer Lebensodem in ihn streute und einen reinen Geist von Ihm. Heil dem, der nicht besudelt Gottes heiligen Geist, den Er ihm eingehaucht! Heil ihm, wenn er ihn seinem Schöpfer also rein zurückgegeben, wie es am Tage war, wo Er ihm diesen anvertraut!


Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.

Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).

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