Gottesfurcht

Ist der Angang der Erkenntnis


Ascher (Asser)
- letzte Mahnungen - 

Über der Bosheit und der Tugend Doppelgestalt

Abschrift des Testaments, das Asser seinen Söhnen im 120. Lebensjahre gab. Er sprach zu ihnen, als er noch gesund war: Hört, Kinder Assers, jetzt auf euren Vater! Ich zeig euch alles, was in Gottes Augen recht ist. Zwei Wege gab den Menschenkindern Gott, zwei Neigungen, zwei Handlungsweisen, zwei Handlungsarten und zwei Ziele. Deshalb ist alles zweierlei, das eine grad dem andern gegenüber. Zwei Wege gibt’s, den Weg des Guten und den Weg des Bösen. Deswegen sind in unserer Brust zwei Neigungen, die ganz verschieden sind. Wenn nun die Seele Wohlgefallen an dem Guten hat, dann sind auch alle ihre Werke recht und sündigt sie, so tut sie sogleich Buße. Wer rechtlich denkt und Schlechtigkeit verwirft, besiegt sofort das Böse und rottet so die Sünde aus. Doch neigt der Sinn sich zu dem Schlechten hin, sind alle seine Werke schlecht; das Gute stößt er von sich ab, hängt sich ans Böse und wird von Belial beherrscht. So wandelt er die gute Handlung selbst in Schlechtigkeit. Fängt er mit Gutem an, so endet seine Handlung in dem Bösen. Des Teufels Schatz ist mit dem Gift des bösen Geists gefüllt. Wer nur mit Worten Gutes über Böses stellt, verübt zuletzt auch Böses. Ist da ein Mann, der kein Erbarmen kennt mit seinem schlimmen Spießgesellen, so hat dies Ding zwei Seiten; das Ganze aber ist doch schlimm. Ist da ein Mensch, der einen Übeltäter liebt, weil dieser für ihn sterben will, so hat auch dies zwei Seiten. Das Ganze aber ist ein übel Ding. Die Liebe selbst kann böse sein, ist sie des Schlechten Hehlerin; dem Namen nach nur ist sie gut, das Ende aber übel. Ein andrer stiehlt, tut Unrecht, raubt, betrügt, hat aber Mitleid mit dem Armen, so hat auch dies zwei Seiten; das Ganze ist ein übel Ding. Wer seinen Nächsten übervorteilt, Gott Erzürnt und falsch beim Höchsten schwört, mit Bettlern aber Mitleid hat, dem Lehrer des Gesetzes aber keine Achtung zollt und ihn erzürnt, dabei erquickt er Arme, und er befleckt die Seele, den Körper aber macht er glänzen, der viele tötet, mit wenigen Erbarmen hat, so hat auch dies zwei Seiten; das Ganze aber ist ein übel Ding. Ein anderer treibt Ehebruch und Buhlerei; dabei enthält er sich der Speisen; solang er fastet, tut er Böses, stößt durch Gewalt und Reichtum viele weg; trotz riesengroßer Bosheit hält er aber die Gebote, so hat auch dies zwei Seiten; das Ganze aber ist ein übel Ding. Derartige sind Schweine, die, rein, weil sie gespaltene Klauen haben, und doch in Wahrheit unrein sind. Das sagt Gott auf den Tafeln des Gesetzes ebenso. Zeigt, meine Kinder, keine doppelten Gesichter in Güte nicht und nicht in Bosheit! Hängt nur allein der Güte an! Denn dran erquickt sich Gott; die Menschen wünschen es. Entflieht der Schlechtigkeit! Zerstört durch gute Werke euren bösen Trieb! Nicht Gott, nur eignen Lüsten dienen die mit doppeltem Gesicht, damit sie Beliar gefallen und ihresgleichen. Die guten Männer haben Ein Gesicht. Selbst wenn auch die mit doppeltem Gesichte sie für Sünder halten, so sind sie doch bei Gott gerecht. Denn viele tun zwei Werke bei der Tötung eines Frevlers, ein böses und ein gutes; doch ist das Ganze gut. Das Schlechte wird ja ausgerottet und vertilgt. Ein Mann haßt den Barmherzigen, der ungerecht, den Ehebrecher, der noch fastet. Auch dieses hat zwei Seiten; jedoch das ganze Werk ist gut. Er folgt dem Beispiele des Allerhöchsten; durchaus nicht für das wahre Gute hält er das, was gut nur scheint. Ein andrer will sich mit den Schlemmern keinen guten Tag verschaffen, will nicht den Mund beflecken und seine Seele nicht beschmutzen. Auch dieses hat zwei Seiten; doch ist das Ganze gut. Denn solche gleichen Rehen und den Hirschen; als wilde Tiere sind sie unrein, im ganzen aber rein. Sie wandeln ja im Eifer für den Allerhöchsten, versagen sich, was Gott nicht mag, was er durch die Gebote untersagt, er wehrt dadurch das Übel von den Guten ab. Seht, Kinder, wie in allem zweierlei sich findet, das eine gegen das andere! Das eine ist im anderen versteckt: im Reichtum Habgier, die Trunkenheit in der Geselligkeit, die Trauer im Gelächter, im Heiraten Verworfenheit. Der Tod folgt auf das Leben, die Schande auf die Ehre. Die Nacht folgt auf den Tag, die Finsternis auf Licht. Deshalb erwartet auch den Tod das ewige Leben. Nicht kann man Wahrheit Lüge nennen und nicht das Rechte Unrecht. Denn unterm Licht steht jede Wahrheit, wie unter Gott das All. Dies alles habe ich erprobt in meinem Leben und bin nicht von des Allerhöchsten Wahrheit abgeirrt. Und ich durchforschte die Gebote des Höchsten; ich wandelte in aller meiner Kraft mit einfachem Gesicht dem Guten nach. Nun, Kinder! Beachtet doch des Allerhöchsten Gebote und folgt mit einfachem Gesicht der Wahrheit! Denn die mit doppeltem Gesichte werden doppelt schuldbar. Haßt der Verführung Geister, die gegen Menschen kämpfen! Bewahret das Gesetz des Allerhöchsten! Beachtet nicht das Schlechte, als ob es etwas Gutes wäre! Blickt vielmehr auf das wahrhaft Gute! Bewahret es in allen Geboten! Darin sei euer Wandel, eure Ruhe! Der Menschen Ende zeigt, wie sie gewesen; sie treffen da des Allerhöchsten Engel und den Satan. Zieht eine Seele in Erregung hin, so wird sie von dem bösen Geist gequält; ihm hatte sie in Lust und bösen Werken einst gedient. Doch ist sie ruhig und in Freuden, alsdann trifft sie den Friedensengel; er führt sie in das ewige Leben. 

Letzte Ermahnungen 

Meine Kinder! Werdet nicht wie Sodom, das an des Allerhöchsten Engeln sich versündigte und so in Ewigkeit zugrunde ging. Ich weiß ja, dass ihr sündiget, in eurer Feinde Hände fallet und euer Land verwüstet wird und eure heiligen Örter ganz zerstört. In alle vier der Erdenwinkel werdet ihr zerstreut. In der Zerstreuung seid ihr so geachtet, wie Wasser, das zerflossen ist, bis dass der Höchste selbst die Erde heimsucht, Er selber kommt und er zerschellt das Drachenhaupt im Wasser. Er rettet Israel und alle Heiden. Sagt dieses euren Kindern, sie sollen ihm gehorsam sein! Ich las ja in des Himmels Tafeln, dass ihr ihm nicht gehorchen und gottlos an ihm handeln werdet; denn ihr beachtet nicht das göttliche Gesetz, nur menschliche Gebote, verderbt durch Frevelsinn. Deswegen werdet ihr zerstreut wie meine Brüder Gad und Dan, und sollet euer Land und euren Stamm und eure Sprache nicht mehr kennen. Der Allerhöchste wird euch in Treue sammeln; er bietet euch ja Gnade an um Abrahams, Isaaks, Jakobs willen.


Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.

Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).

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