Gottesfurcht

Ist der Angang der Erkenntnis


Dan
- letzte Mahnungen - 

Warnung vor Zorn und Lüge

Abschrift der Worte, die Dan zu seinen Söhnen in den letzten Lebenstagen sprach: Im 125. Lebensjahre rief er seine Familie und sprach: Vernehmet meine Worte, Söhne Dans! Merkt auf die Reden aus dem Munde eures Vaters! In meinem Herzen und in meinem ganzen Leben habe ich erprobt, dass etwas Gottgefälliges und Angenehmes die Wahrheit mit gerechtem Handeln ist: die Lüge aber und der Zorn ist schlimm; er lehrt den Menschen jede Schlechtigkeit. Meine Kinder! Heut gesteh ich euch: Ich freute mich in meinem Herzen über Josephs Tod, und doch war er ein guter und wahrhaftiger Mann. Ich freute mich, dass Joseph ward verkauft; sein Vater liebte ihn ja mehr als uns. Der Geist des Neides und der Prahlerei sprach ja zu mir: „Du bist doch auch sein Sohn.“ Und von des Beliar Geistern einer schürt an mir und spricht: „Nimm dieses Schwert und töte Joseph! Dein Vater liebt dich dann, ist jener tot.“ Dies ist der Geist des Zorns; er suchte mich zu überreden, ich sollte Joseph so zermalmen, so wie’s ein Pardel mit dem Böckchen macht. Doch meiner Väter Gott gab diesen nicht in meine Hände; ich traf ihn nicht allein und konnte ihn nicht töten. Sonst wär ein zweiter Stamm in Israel vernichtet worden. Jetzt, meine Kinder, sterbe ich. Ich sage euch in Wahrheit: Ihr geht zugrunde, bewahrt ihr euch nicht selbst vorm Geist der Lüge und des Zorns und liebt ihr nicht die Wahrheit und die Großmut. Der Zorn ist Blindheit, meine Kinder. Kein Zorniger sieht je ein Angesicht in Wahrheit. Wär es auch Vater oder Mutter, so sieht er sie als Feinde an und ist’s ein Bruder, er weiß es nicht. Ist’s ein Prophet des Allerhöchsten, so hört er nicht; ist’s ein Gerechter, beachtet er ihn nicht. und einen Freund erkennt er nicht. Der Geist des Zornes wirft des Irrtums Netze über ihn und blendet ihm die Augen. Denn Sinn verdunkelt er durch Lüge und gibt ihm eine eigene Schau. Womit umstrickt er seine Augen? Mit Herzenshaß. Er ist dem Bruder neidig. Schlecht ist der Zorn, ihr, meine Kinder, und für die Seele selbst wird er zur Seele. Den Körper macht er sich zu eigen, beherrscht die Seele. Dem Leibe gibt er eine sonderliche Kraft zu jeder schlechten Tat. Und hat der Körper sie getan, dann rechtfertigt die Seele diese Tat, weil sie nicht recht gesehen. Deswegen hat der Zornige am Zorne eine dreifache Gewalt, ist er vermögend. Die erste durch die Hilfe seiner Diener, die zweite durch den Reichtum, wodurch er überredet und zu Unrecht siegt, die dritte durch die Körperkraft, wodurch er Böses tut. Ist aber schwach der Zornige, dann hat er immerhin noch eine zweifache Gewalt; der Zorn hilft stets ihm durch den Frevelsinn. Und dieser Geist geht immer mit der Lüge zu Satans rechter Seite; so werden seine Taten stets in Roheit und in Lüge ausgeführt. Nun wisset, dass die Macht des Zornes eitel ist. Sie stachelt durch ein Wort im Anfang an; durch Werke steift sie dem Gereizten das Genick und seinen Sinn stört sie durch bittere Verluste, erregt die Seele ihm zu großem Zorn. Spricht einer gegen euch, so laßt euch nicht zum Zorne reizen! Lobt einer euch als fromm, so überhebt euch nicht! Laßt euch zur Lust nicht, noch zur Unlust reizen! Zuerst ergötzt er das Gehör und schärft den Sinn, um Sticheleien zu bemerken. Dann wird er wild und glaubt mit Recht zu zürnen. Erleidet ihr auch Schaden und Verlust, erschreckt nicht, meine Kinder! Sein Geist läßt nach vergänglichem Verlangen tragen; doch durch Verluste wird er wütend. Erleidet ihr Verlust, sei’s freiwillig, sei’s unfreiwillig, betrübt euch nicht! Aus Traurigkeit entsteht der Zorn samt Lüge, Ein zwiefach Unheil ist der Zorn mit Lüge; sie helfen sich, die Herzen zu verwirren. Ist eine Seele aber stets in Aufregung, dann weicht der Allerhöchste von ihr und Beliar wird ihr König. Bewahrt des Allerhöchsten Gebote, meine Kinder! Befolget sein Gesetz! Laßt von dem Zorn! Und haßt die Lüge! Dann wohnt bei euch der Allerhöchste und Beliar flieht fort von euch. Sprecht doch nur Wahres miteinander! Dann kommt ihr nicht in Zorn und in Verwirrung. Seid ihr im Frieden, habt ihr den Gott des Friedens. Dann überwindet euch kein Feind. Liebt doch den Allerhöchsten in eurem ganzen Leben und auch aus wahrem Herzensgrund! 

Letzte Ermahnungen 

Ich weiß: Ihr fallet in den letzten Zeiten ab vom Allerhöchsten, erzürnet Levi, lehnt euch gegen Juda auf. Doch könnt ihr nicht obsiegen. Des Allerhöchsten Engel einer führt sie beide; durch sie besteht ja Israel. Fallt ihr vom Allerhöchsten ab, dann wandelt ihr in aller Schlechtigkeit, vollbringt die Heidengreuel, treibt mit der Frevler Weibern Unzucht. Und so sind unter euch in jeder Schlechtigkeit die Geister der Verführung an dem Werk. Ich las im Buche Henochs, des Gerechten, dass euer Fürst der Satan ist und dass der Unzucht und des Stolzes Geister sich verschwören, auf Levis Söhne ständig achtzugeben, um sie vorm Allerhöchsten zur Sünde zu verführen. Auch meine Söhne werden sich dem Levi nähern und sündigen mit ihnen allzumal. Und Judas Söhne sind begehrlich und rauben fremdes Eigentum gleich Löwen. Deswegen werdet ihr mit ihnen in Gefangenschaft verschleppt und dort Ägyptens Plagen all erdulden, all Übel von den Heiden. Bekehrt ihr euch jedoch zum Allerhöchsten, dann findet ihr Erbarmen; er führt euch wieder in sein Heiligtum und gibt euch Frieden. Aus Judas und aus Levis Stamm erscheint für euch das Heil des Allerhöchsten; er selbst bekämpft den Beliar, nimmt an den Feinden ewig Rache. Er nimmt dem Beliar die Gefangenen ab (der Heiligen Seelen), bekehrt zum Allerhöchsten die unfolgsamen Herzen, gibt ewigen Frieden denen, die ihn rufen. In Eden ruhen die Heiligen und die Gerechten jubeln ob Jerusalem, dem neuen, und dies ist Gottes Ruhm für ewig. Nicht länger bleibt Jerusalem verwüstet, nicht länger Israel gefangen. Der Allerhöchste ist mitten drin und Israels Heiliger ist sein König. So fürchtet, meine Kinder, jetzt den Allerhöchsten! Und hütet euch vor Satan und vor seinen Geistern! Und naht euch Gott und seinem Fürbittengel! Er ist der Mittler zwischen Gott und Menschen. Und für den Frieden Israels stellt er dem Feindesreiche sich entgegen. Drum gibt der Feind sich Mühe, zu Fall zu bringen, die den Allerhöchsten anrufen. Er weiß ja, dass des Feindes Reich ein Ende hat am Tag, wo Israel bereut. Des Friedens Engel selbst stärkt Israel, so dass es nicht in schlimmstes Unheil kommt. Und ist noch gottlos Israel, so lässt der Allerhöchste sie dennoch nicht; er wandelt sie zu einem Volke um, das seinen Willen tut; kein Engel gleicht ihm dann. Sein Name ist an jedem Orte Israels und bei den Heiden. Bewahrt euch selber, meine Kinder, vor jedem bösen Werk und werft den Zorn und jede Lüge fort und liebt die Wahrheit und Geduld! Was ihr von eurem Vater hört, gebt euren Kindern mit, Von jeder Ungerechtigkeit laßt ab und haltet fest an Gottes Gerechtigkeit! Dann bleibt für immer euer Stamm gerettet. Begrabt mich in der Nähe meiner Väter!


Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.

Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).

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