Warnung vor Eifersucht
Hört, Kinder! Hört euren Vater Simeon, was er auf seinem Herzen trägt! Ich ward als meines Vaters Jakob zweiter Sohn geboren und meine Mutter Lea hieß mich Simeon; es hatte ja der Allerhöchste ihr Beten freundlich aufgenommen. Ich ward sehr stark. Ich scheute keine Mühe und schrak vor keiner Heldentat zurück. Mein Herz war fest und meine Leber unbeugsam, mein Eingeweide ohne Mitgefühl. Denn auch die Tapferkeit wird von dem Höchsten in Seel und Leib den Menschen eingeflößt. Zu jener Zeit ward ich auf Joseph eifersüchtig; denn unser Vater liebte ihn. Und so verhärtete ich meine Leber gegen ihn, um ihn zu töten; des Irrtums Herrscher, der den Geist der Eifersucht mir sandte, verblendete mich im Verstand, dass ich nicht seiner achtete, wie eines Bruders, und meinen Vater Jakob nicht verschonte.
Warnung vor Neid
Nun, Kinder, wahrt euch vor des Irrtums und des Neides Geistern! Der Neid beherrscht des Menschen innere Gesinnung und hindert ihn am Essen, Trinken und am Gutes tun. Er redet stets ihm ein, er solle den Beneideten beiseite schaffen. Und der Beneidete blüht allezeit; der Neider aber schwindet mählich hin. Zwei Jahre quält ich in der Furcht des Allerhöchsten durch Fasten meine Seele. Da sah ich ein, dass nur durch Gottesfurcht Erlösung von dem Neide wird. Nimmt einer zu dem Allerhöchsten die Zuflucht, so läuft von ihm der böse Geist hinweg; sein Sinn wird leicht. Mit dem Beneideten hat er hinfort noch Mitleid, verzeiht den Feinden. So löst er sich vom Neid.
Mein Vater frug mich, wie’s mir sei; er sah ja, dass ich mürrisch war. Ich sprach: Ich leide an der Leber. Ich war ja mehr als alle traurig, weil ich die Schuld an dem Verkaufe Josephs trug. Wir gingen nach Ägypten. Da ließ er mich wie einen Kundschafter in Ketten legen. Und ich sah ein, dass ich mit vollem Rechte litt, und ward betrübt. Doch Joseph war ein guter Mann und hatte Gottes Geist in sich; mitleidig und barmherzig, trug er mir nicht das Böse nach; er liebte mich den andern Brüdern gleich. Nun, meine Kinder, bewahret euch vor aller Eifersucht und allem Neid und wandelt in der Seele Einfalt und in gutem Herzen! Gedenket eures Vaters Bruder, damit auch Gott euch Gnade gebe und Herrlichkeit und Segen über eure Häupter, wie ihr an ihm gesehen! Er machte uns die ganze Zeit hindurch ob dieses Vorfalls keinen Vorwurf; er liebte uns wie sich und mehr als seine Kinder. Er ehrte uns und gab uns allen Reichtum, Vieh und. Früchte. Nun, meine lieben Kinder! Liebt, jeglicher aus gutem Herzen, seinen Bruder! Entfernt von euch den Geist des Neides! Denn dieser macht die Seele zornig, verdirbt den Leib, verursacht Zorn und im Gemüte Kampf und reizt bis in das Blut hinein, zerrüttet die Gedanken, läßt nicht den Geist im Menschen mitwirken. Doch raubt er auch den Schlaf, verwirrt die Seele und macht den Körper zittern. Denn auch im Schlaf berückt ihn und verzehrt ein böser Eifer, verwirrt durch böse Geister seine Seele, versetzt in Schrecken seinen Leib, benimmt ihm den Verstand und zeigt den Menschen sich als bösen Geist voll Gift. Deshalb war Joseph lieblich von Gestalt und schön von Angesicht; es hatte über ihn nichts Böses Macht. Denn ein verwirrter Geist zeigt sich im Angesicht. Nun, meine Kinder! Macht eure Herzen gut vorm Allerhöchsten und vor den Menschen eure Wege ehrlich! Dann findet ihr vor Gott und Menschen Gnade. Und hütet euch vor Buhlerei! Die Buhlerei ist ja die Mutter alles Übels; sie trennt von Gott und führt zu Beliar.
Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.
Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).
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