Gottesfurcht

Ist der Angang der Erkenntnis


Re'uwen (Ruben)
- letzte Mahnungen - 

Re'uwen

Nun hört mich Kinder, was ich in meiner Buße von jenen sieben Irrtumsgeistern sah! Dem Menschen sind von Beliar sieben Geister mitgegeben; sie sind die Führer bei den Jugendstreichen.

Es wurden bei der Schöpfung sieben Geister ihm gegeben, dass jedes Menschenwerk darauf beruhe. 

Der erste ist der Geist des Lebens; mit ihm ist die Natur geschaffen. 

Der zweite ist der Geist des Blickes, wodurch der Wunsch entsteht. 

Der dritte ist der des Gehörs, wodurch der Unterricht erfolgt. 

Der vierte ist der des Geruchs, womit die Lust verbunden ist, den Atem und die Lust in sich zu ziehen. 

Der fünfte ist der Geist der Rede, wodurch Erkenntnis kommt. 

Der sechste ist der des Geschmacks, womit man Speis und Trank genießt und Kraft erlangt; denn in der Nahrung ruht die Stärke. 

Der siebte ist die Kraft des Zeugens und des Beiwohnens; die Sünde dringt dabei durch Wollust ein. Deshalb ist dieser auch der letzterschaffene, der erste aber in der Jugend, von Torheit voll. Er führt den Jüngling, einem Blinden gleich, zur Grube, gleich einem Tier zum Abgrund. 

Bei allen diesen ist der Geist des Schlafs als achter; mit diesem ward Verzückung der Natur geschaffen, zugleich des Todes Bild. 


Und diesen Geistern ist der Geist des Irrtums beigemischt. – 

Der erste Geist der Buhlerei beruht auf der Natur und auf den Sinnen. 

Der zweite ist der Geist der Unersättlichkeit des Bauchs. 

Der dritte ist der Geist des Streites in der Leber und der Galle. 

Der vierte ist der Geist der Ziererei und Schmeichelei, um aufzufallen und um hübsch zu scheinen. 

Der fünfte ist des Hochmuts Geist, um stolz und hochmütig zu sein. 

Der sechste ist der Geist der Lüge, der auf Verderben sinnt und Eifer zeigt, den Feind und Gegner zu betrügen und sich vor Freund und Anverwandten zu verbergen. 

Der siebte ist der Geist des Unrechts, wodurch die Diebstähle und Räubereien erfolgen, um seines Herzens Lust zu stillen. Er wirkt in dem Vereine mit den andern Geistern Unrecht durch Annahme von Gaben. 

Der Geist des Schlafs, der achte Geist, gesellt sich allen diesen bei; er ist ein Geist des Irrtums und der Phantasie. 

Und so geht jeder junge Mann zugrunde. Verdunkelt er nun vor der Wahrheit den Verstand, dann fehlt ihm die Erkenntnis im Gesetze Gottes und er gehorcht nicht seiner Väter Mahnungen. So litt auch ich in meiner Jugend. 

Warnung vor Buhlerei  

Deshalb bewahret, meine Kinder, was ich euch anbefehle! Dann werdet ihr nie sündigen. Denn ein Verderben für die Seele ist die Buhlerei; sie trennt von Gott und führt zu Götzenbildern hin. Sie ist es, die den Verstand und die Vernunft verwirrt; sie führt die jungen Männer in die Unterwelt vor ihrer Zeit. Die Buhlerei hat viele schon zugrunde gerichtet. Ist einer hochbetagt selbst oder hochgeboren, reich oder arm, so macht sie ihn zur Schmach und zum Gespött bei Beliar und den Menschenkindern. Weil Joseph sich vor jedem Weib gehütet und seinen Sinn von aller Buhlerei sich rein erhalten, fand er vor Gott und Menschen Gnade. Denn vieles tat ihm die Ägypterin; sie rief die Zauberer herbei und gab ihm Liebestränke. Doch seiner Seele Vorsatz ließ die böse Lust nicht zu. So rettete ihn meiner Väter Gott von jedem Übel und geheimem Tod. Bezwingt die Buhlerei nicht euren Sinn, so kann auch Beliar euch nicht bezwingen. Schlecht sind die Buhlerinen, meine Kinder; besitzen sie nicht über einen Mann Gewalt noch Macht, dann suchen sie durch Reize ihn zu locken. Und wen sie nicht durch Reize zwingen können, den zwingen sie durch List. 

Auch über diese sprach zu mir des Allerhöchsten Engel und lehrte mich, dass Weiber mehr dem buhlerischen Geiste unterliegen, denn als der Mann. Sie schmieden in dem Herzen Ränke gegen Männer. Zuerst verwirren sie durch Schmuck die Sinne und streuen durch der Augen Blick das Gift hinein; dann fangen sie sie durch die Tat. Ein Weib kann einen Mann sonst nie bezwingen. Flieht, meine Kinder, doch die Buhlerin! Verbietet euren Weibern, euren Töchtern, die Häupter und das Angesicht zu schmücken! Denn jedes Weib, das darin listig handelt, verfällt der ewigen Strafe. Sie haben auch die Wächter vor der Sintflut so bezaubert. Es sahen jene sie beständig an und gierten so nach ihnen. Und so empfingen sie in ihrem Sinn die Tat und wandelten sich selbst in menschliche Gestalten. Und wohnten jene Weiber ihren Männern bei, dann kamen sie und zeigten sich. Die Weiber aber sehnten sich in ihrem Sinn nach ihren Scheingestalten und sie gebaren Riesen; denn ihnen zeigten sich die Wächter als bis zum Himmel reichend.


Quelle : Altjüdische Schriften außerhalb der Bibel, Paul Rießler (1928), Zusammenstellung aus dem Buch "Testament der zwölf Patriarchen" - gemeinfreier Text - : Zur Mehrung des (Gesamt-) Verständnisses wird empfohlen das ganze Buch zu lesen und den Worten der Propheten Gottes zu glauben sowie den Gott Israels um Leitung und Erkenntnis zu bitten und anzurufen.

Mögliche Bezugsquellen : Freier Download im Internet, Bibliotheken (z.B. Staats-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken).

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